Episode 11: I’m not a morning person



I´m not a morning person

Vor drei bis vier Jahren habe ich mal die Gala bei irgendeinem Arzt im Wartezimmer aufgeschlagen. Das kommt selten vor. Also, dass ich die Gala aufschlage – Auch, dass ich beim Arzt sitze. Beides. Aber hier geht es um die Gala. Ich kenne viele Mädels, die sie alle lieben: Gala, Freundin, Cosmopolitan, Brigitte, InTouch, InStyle, InIrgendwas… ehrlich gesagt, mich interessieren die Blätter nicht. Alles, was wichtig ist, wird irgendwie an mich herangetragen: Nachrichten, Facebook, Twitter und manchmal sogar von echten Menschen. Alles Andere ist mir relativ egal. Wer mit wem, wie lange und warum? Der neueste Trend, der letzte Schrei, die Ins und Outs der Woche… mir fehlt da dieses Gen. Ich schreie auch nicht vor Glück, wenn der DHL-Mann mit einem Zalandopaket vor meiner Türe steht. Meistens ist es für eine Nachbarin. Egal. Auf jeden Fall schlage ich diese Zeitschrift auf und sehe dieses Mädchen mit diesem Shirt und denke „Hey, die ist wie ich“. Gleiche Sonnenbrille, gleiche Haare und eine Mütze auf dem Kopf, weil sie wahrscheinlich lieber 20 Minuten länger geschlafen hat, als sich die Haare zu machen. Ich hatte keine Ahnung, wer dieses Mädel ist. Nach einigem Recherchieren fand ich heraus, dass Cara Delevingne und mich im Grunde nicht viel verbindet. Aber das tut ja nichts zur Sache – eine sehr bedeutende Lebenseinstellung teilen wir zumindest: I´m not a morning person!

Ich kann noch so früh ins Bett gehen, zwölf Stunden am Stück schlafen, mich kriegste morgens einfach nicht aus der Kiste. Wenn ich einmal draußen bin, mitbekomme, wie die Sonne aufgeht, die Stadt langsam erwacht und die Vögel zwitschern, liebe ich ihn, den Morgen. Es gibt nichts Schöneres, als mit dem Auto in den Tag hineinzufahren. Natürlich nur auf einer kaum befahrenen Autobahn mit Tempo 100 und der richtigen Musik im Ohr. Ein Traum. Trotz allem stehe ich nicht gerne auf. Ich hasse es – ich hasse nicht viel – aber Aufstehen gehört definitiv dazu. Wenn ich in meinem kuscheligen, warmen Bett liege, ist mir alles Andere egal. Sonnenaufgang? Habe ich schon mal gesehen, brauche ich heute nicht. Dusche? Ach, das sollte ich heute auch ohne schaffen – Katzenwäsche olé! Frühstück? Scheiß drauf, ich hol mir was auf die Hand! Jede Minute zählt. Ach, was sage ich, jede Sekunde! Ich wünschte, es wäre anders – ist es aber nicht. Ich bin eine dieser Nachteulen. Habe mit den Earlybirds dieser Welt nichts zu tun. Und wenn mein Wecker doch einmal um 6:00 Uhr klingelt, könnt ihr euch vorstellen, wie es mir geht: scheiße. Aber wenn ich das kommuniziere, geht es mir noch viel beschissener. Deshalb habe ich mir vor einiger Zeit ein Konzept zurecht gelegt, um mich selbst vor mir als Morgenmuffel zu schützen. Ich bin dann nämlich wirklich ungenießbar…


5 Tipps für Nachteulen, die zum Earlybird-Dasein gezwungen werden: 

TIPP 1 KEINE Schlummertasten drücken

Schlummertasten sind eigentlich viel zu genial, um sie nicht zu nutzen. Es ist so großartig, sich noch vier bis sieben mal umzudrehen, ins Kissen zu kuscheln und die Außenwelt zu ignorieren. Ja, das ist wirklich toll. Aber es bringt nichts. Du musst aufstehen, also tue es gleich. Lieber einmal Augen auf und durch, als gefühlte hundert mal vom schrillen Klingeln des Weckers genervt zu werden. Die Laune sinkt in den Keller, die Wut kocht hoch und geholfen ist keinem.

TIPP 2 NICHT jammern

Ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich viel zu früh morgens auf kuscheligen, selbstgestrickten Socken durch die Wohnung schlurfe und leise vor mich hin jammere. „Oh Mann, ich will nicht!“, „Es ist viel zu früh!“ oder „Boah Mann, ist das scheiße kalt hier, ich hab keinen Bock, warum immer ich?! Ich hasse das!“, wechseln sich im Zehn-Sekundentakt ab. Für das eigene Wohlbefinden ist es wahnsinnig schlau, diese Jammerei abzustellen. Fristlos. Ich arbeite daran.

TIPP 3 Duschen

Duschen ist eine wichtige Sache für Earlybirds, die sich eigentlich tausend mal lieber die Decke über den Kopf ziehen und so tun würden, als ob sie diesen dämlichen Wecker, mit seinem ständigen, viel zu lauten Piep Piep Piep oder wahlweise mit dieser schrecklichen Gute-Laune-Musik im Stil von Bailando, die extra dafür ausgewählt wurde, um leichter und besser gelaunt aus dem Bett zu kommen, ganz einfach überhören. Duschen macht nicht nur deinen Körper sauber, sondern erfrischt auch deinen Geist. Duschen macht wach. Hier geht es also nicht darum, ob du leicht stinkend zur Arbeit gehst oder frisch nach den neuesten Wellnessdüften duftest, sondern ganz einfach nur darum, dass dir die Dusche den Start in den Tag wirklich erleichtert.

TIPP 4 Frühstück

„Das Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages.“, wie sehr ich diesen Spruch früher gehasst habe. Erstens habe ich früher die kostbare Zeit am Morgen lieber verschlafen, als sie für ein ausgiebiges Frühstück zu nutzen und zweitens hatte ich direkt nach dem Aufstehen einfach keinen Hunger. Das ist eigentlich auch heute noch so… eigentlich. Auch hier versuche ich mich zu bessern. Wenn ich mir morgens die Zeit für ein Frühstück nehme, gehe ich viel entspannter und gestärkt in den Tag. Nur ein Coffee To-Go ist weder gut für den Magen, noch für den Kopf. Und der soll ja schließlich den Tag über Vollgas geben!

TIPP 5 Frische Luft

Für Fortgeschrittene sogar: Sport an der frischen Luft! Eine Runde Joggen, Fahrradfahren oder für eine halbe Stunde ins Fitnessstudio hüpfen. Wer das nicht auf die Kette kriegt… Warum schaut ihr mich alle so an? So offensichtlich? Also, wer das nicht auf die Kette kriegt, ich geb´s zu, die Rede ist von mir, schafft es vielleicht zumindest ein paar Schritte am Morgen zur Arbeit zu laufen. Und hey, dass schaffe ich wirklich, ganz ehrlich! Füße oder Rad anstatt Auto. Frische Luft, anstatt U-Bahn-Mief. Frische Luft ist das A und O für unser Hirn. Haben wir zu wenig davon, sind wir unkreativ, schlapp, müde. Also raus mit uns!

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