Episode 05: Karma kommt immer zurück



Karma kommt immer zurück

Meine letzte Woche lief überdurchschnittlich gut. Ich habe selten so viel positive Resonanz, Angebote, Zusagen und handfeste Jobs innerhalb so kurzer Zeit abgegriffen. Und dann sitze ich da und überlege. Mache mir Gedanken über das Warum? Was mache ich momentan richtig? Warum besteht nicht jede Woche aus unzähligen Hochs? Es ist nicht so, dass ich mich jemals über zu wenig Zuspruch hätte beschweren können. Aber jeder Mensch, der im Medienzirkus mittanzt, weiß, dass es Höhen und Tiefen gibt. Es gibt Produktionen und Projekte, für die du brennst und welche, die du des Geldes wegen machst. Am einen Tag, werden dir Jobs förmlich hinterher geschmissen, am Nächsten will dich keiner mehr haben. Passiert jedem. Gerade denen, die behaupten, bei ihnen liefe immer alles top. Und genau an diesen Tagen, an denen es nur so mittel-cool bis mieser-geht-es-nicht läuft, bin ich ein absoluter Verfechter des Karma-Gedankens. Tue Gutes, dann widerfährt dir Gutes. Karma kommt immer zurück – und das ist gut so! Soll heißen: wenn du Scheiße baust, wirst du dafür büßen. Tust du Gutes, kommt es irgendwann zurück. Vielleicht morgen. Vielleicht nächste Woche. Vielleicht auch erst in 5 Jahren. Aber du kannst sicher sein, das Universum schlägt zurück.
Ich erinnere mich immer gerne an einen Moderationskollegen aus meiner Fernsehezeit. Ein paar Jahre ist es her. Wir lernen uns bei einer Produktion flüchtig kennen. In einer Drehpause sitzen wir kaffeetrinkend nebeneinander. Er ist neu in dem Business. Ich: „Na, wie gefällt´s dir? Hast du dich schon gut eingelebt?“ Er, auf sein Iphone starrend: „Ja, aber ich mach das hier eh nur ein Jahr, dann will ich weiter.“ Ich: „Ah. Ok. Was heißt weiter?“ Er, leicht genervt: „Samstag Abend, Zwanzig Fünfzehn. Der Kinderkram ist nicht so mein Ding.“ Ich mein, ich merk´s. Ich nippe an meinem Coffee To-go, denke über die Bedeutung von To-Go nach, stehe auf und gehe.
Drei Jahre später, besagter Moderator immer noch im Morgenprogramm des KIKAs und nicht in der Primetime der ARD zu sehen, trifft man sich wieder. Im Zuge einer Spielshow, bei der sich diverse Kindermoderatoren für den guten Zweck zum Horst machen, ist auch er am Start. Hat Hollywood also noch nicht angerufen. Ich verkneife mir mein Schmunzeln.
Ein Teenagermädchen reißt mich aus meinen Gedanken. „Ich bin euer größter Fan! Könnt ihr bitte bitte auf meinem T-Shirt unterschrieben?“ Sie steht aufgeregt vor uns und wedelt mit einem Edding 500 wild umher. „Klar!“, antworte ich ihr, schnappe mir den Stift und knie mich vor sie. „Wie heißt du denn?“. „Annabelle“. Sie freut sich und strahlt bis über beide Ohren. Ich gebe den Stift an meinen Kollegen weiter, der mit seinem Iphone beschäftigt ist. Das arme Mädchen. Sie schaut ihn hoffnungsvoll mit ihren großen Kulleraugen an. Ich ramme ihm meinen Ellbogen in die Seite. Er guckt mich genervt an, erbarmt sich dann aber und kritzelt unleserlich auf ihr Shirt, während seine Augen weiterhin auf das Display seines Handys starren. „Kann ich dich mal umarmen?“, schießt es übermütig aus Annabelle heraus. Er schaut kurz auf, um sicher zu gehen, dass sie ihn gemeint hat. „Keine Ahnung, ob du das kannst!“, kontert er überheblich. „Ich meine darf ich dich umarmen?“, verbessert sich das Mädchen. Sie wird rot. „Lass mich kurz überlegen… Nein.“, sagt er, dreht sich um und geht. Was für ein Arschloch.
Wir schreiben das Jahr 2016. Mittlerweile hat besagter Herr es geschafft. Also, er hat es geschafft sich vom Kinderfernsehen loszueisen. Vielleicht hat auch irgendein Verantwortlicher endlich mal seine Sendung geschaut und bemerkt, dass seine arrogante Art für Kinder unzumutbar ist. Für alle anderen übrigens auch. Wer weiß. Jedenfalls ist er nicht mehr da. Er ist aber auch nirgendwo anders. Ich blättere diverse Fernsehzeitschriften im Rewe-Regal durch. Mein Blick immer auf die Primetime gerichtet. Das war ja sein großes Ziel. Aber ich lese nirgendwo seinen Namen. Komisch. Zu Hause schmeiße ich den Laptop an und google nach ihm. Auf seiner Homepage stehen ganz bestimmt die neuesten News zu seinem kreativen Schaffen, denke ich mir, aber auf seiner Seite taucht nur ein Baustellenmännchen mit gelbem Sicherheitshelm auf, neben dem in Großbuchstaben „UNDER CONSTRUCTION“ steht. Was will er uns damit sagen? Hat er das Fach gewechselt? Homepage tot. Und mit dem Ende seiner Karriere beim Kinderfernsehen, hören auch schlagartig seine Facebook-Einträge auf. Der letzte Post stammt aus dem Jahr 2013. Aus sicheren Kreisen weiß ich, dass wir uns keine Sorgen um Mr. Primetime machen müssen. Gesundheitlich läuft alles bestens. Nur mit der großen Showmasterkarriere will es nicht klappen. 20:15 Uhr scheint einfach nicht seine Zeit zu sein. Tja, Karma kommt immer zurück. Und so ist es nicht nur bei irgendwelchen Fernsehnasen, sondern auch im echten Leben.
Wie es in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Wusste schon meine Oma. Die hat nämlich jedem Handwerker, der ihre Wohnung betrat, erstmal einen Kaffee angeboten. Ob er wollte oder nicht, er hat einen bekommen. Kekse und Nusszopf vom Aldi standen auch immer bereit. Es hat keine fünf Minuten gedauert und jeder Handwerker hat ihr jeden erdenklichen Wunsch von den Lippen abgelesen. Und da gab es Einige. Ganz schön gerissen, meine Oma. Aber mal ehrlich, genau so läuft es doch. Ein positiver Teufelskreis. So einfach ist die Nummer. Karma kommt schließlich nicht nur bei arroganten Fernsehnasen zurück.

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