Episode 01: Hallo Schweinehund, du schon wieder?



Hallo Schweinehund, du schon wieder?

Alter Verwalter. Wenn bei mir morgens um 9 der Wecker klingelt, und ich weiß, viele werden jetzt sagen „Was? Um 9:00 Uhr? Da ess ich schon fast zu Mittag!“, ist er da: der Schweinehund. Warum um 9 aufstehen, wenn kein Chef auf einen wartet? Ich bin mein eigener Chef und ich erlaube mir auszuschlafen. Gestern Abend dachte ich zwar, 9 Uhr ist eine gute Zeit, da hat man noch was vom Tag, aber jetzt bin ich anderer Meinung. Chefs ändern ja gerne mal ihre Meinung. Und die dürfen das. Weil sie Chef sind. Chef sein ist geil! Und Schlummertasten sind eine großartige Erfindung! So geht es im neun Minuten Takt stramm auf die 10 zu. Dann auf die 11. Obwohl mein Rücken schon längst vom Liegen weh tut, tue ich genau das, worauf ich Lust habe. Liegen bleiben. Ich bin ja mein eigener Chef, ich darf das. Um kurz nach 11 öffnet sich langsam mein rechtes Auge, mein linker Arm tastet wild umher. Dann kommt mein iPhone ins Spiel. Erstmal checken, was sich über Nacht bei Instagram getan hat. Und bei Facebook. Wobei die Facebook-Ära eigentlich vorbei ist, aber egal. Dann guck ich noch schnell bei Twitter rein, um dann wieder bei Instagram zu landen. Schließlich sind mittlerweile 15 Minuten vergangen und in einer viertel Stunde tut sich bei Instagram so einiges. Nebenbei beantworte ich ein paar Emails. Diese Nummer kann ich bis zum frühen Nachmittag durchziehen. Solange bis mein Magen auf dem Boden hängt. Schnell ein Espresso und ein Toast to go und ab ins Atelier. Da angekommen checke ich erstmal Instagram.
Ja es gibt diese Tage wirklich. Aber in Wahrheit kämpfe ich tagtäglich mit meinem Schweinehund eine riesengroße Schlacht. Er ist zwar stark, aber an 9 von 10 Tagen bin ich stärker. Du wirst nicht erfolgreich, wenn du von morgens bis abends im Bett oder wahlweise auf dem Sofa rumlungerst, die neuesten Serien bei Netflix anschaust und dir Tiefkühlpizza in den Bauch haust. “Netflix and chill” is nich, wenn du was reißen willst. Ich glaube viele Menschen haben genau das Bild von einem Selbständigen, der zu allem Überfluss auch noch in der Medienbranche tätig ist.
In Wahrheit sieht es anders aus. Es gibt nicht umsonst den etwas angestaubten, aber unfassbar treffenden Spruch „Als Selbstständiger arbeitest du selbst und ständig.“ Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich fühle mich genauso. Ich stehe am Morgen mit meiner Firma auf und gehe am Abend mit ihr ins Bett. Ich bin kein Workaholic, aber wenn du keinen Chef hast, der dir zu jedem Ersten im Monat dein Gehalt X überweist, musst du selber schauen, wo du bleibst. Netflix bezahlt leider nicht meine Rechnungen. Also trete ich mich in den Hintern. Tag für Tag. Mache To-Do Listen. Ich weiß, das macht jeder, aber ich arbeite sie sogar ab. Ich stecke mir klare Ziele. Was will ich heute schaffen? Was erledige ich alles in dieser Woche? Wenn ich konsequent am Ball bleibe und an 9 von 10 Tagen den nach Netflix und Pizza brüllenden Schweinehund besiege, bin ich stolz auf mich. Ein gutes Gefühl. Solltet ihr mal ausprobieren. Steckt euch Ziele, arbeitet hart und belohnt euch, wenn ihr was geleistet habt. Selbstständig sein ohne klares Konzept im Kopf funktioniert nicht. Zumindest nicht bei mir. Es gibt zu viele gute Serien, die geguckt, Bücher, die gelesen, und Betten, die beschlafen werden wollen. Wenn du da nachgibst, hast du schneller, als gedacht wieder einen Chef vor deiner Nase, der dich zwar regelmäßig bezahlt, dir aber auch die Freiheit nimmt, dann zu arbeiten, wann du willst, und wie du willst.
Mein Schlüssel für konzentriertes Arbeiten: NICHT von zu Hause zu arbeiten. Jahrelang habe ich zwischen Suppe und Kartoffeln versucht kreativ zu sein. Zu schreiben, Fotos zu bearbeiten, an neuen Ideen zu werkeln und eine Firma auf die Beine zu stellen. Das hat geklappt, keine Frage. Aber wirklich gut ist etwas Anderes. Und zu dieser Zeit habe ich es auch nicht geschafft meinen Schweinehund zu besiegen. Auf einmal waren da etliche Ausreden. Spülen, aufräumen, waschen, putzen. Das alles hat sich zwischen meine eigentlich Arbeit gedrängt. Ständig hat es geklingelt, egal ob das Telefon oder an der Tür. Ich habe mich liebend gern ablenken lassen und die Arbeit ist liegen geblieben. Wenn ich heute in unserem Atelier sitze, arbeite ich konzentriert und auf den Punkt. Ich bearbeite beispielsweise Bilder und erst wenn ich damit fertig bin, lasse ich Instagram, Facebook oder Emails wieder in mein Leben. Danach arbeite ich an einer anderen Aufgabe weiter. So teilt sich mein Tag automatisch in viele kleine Projekte ein, die etwa immer 1-2 Stunden dauern und nach denen ich mich dann für ein paar Minuten erhole, durchatme und wieder etwas Neues in Angriff nehme. Das ist sicherlich nicht die allround Lösung für jeden und ich kenne viele Menschen, die erfolgreich sind, obwohl sie einen ganz anderen Worklflow haben. Für mich ist es gut so, wie es ist. Ich liebe es, wenn ich jeden Tag auf´s Neue meinen Schweinehund überwinde. Jeder muss seinen persönlichen Weg finden. Aber eins ist klar: den Schweinehund müssen wir alle überwinden. Also: Vollgas!

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